Predigt von Rev. Dr. Mitri Raheb
Seniorpfarrer der Lutherischen Weihnachtskirche in Bethlehem
Präsident des Diyar Konsortium

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe FreundInnen!

Salaam aus Bethlehem in der Karwoche!

Die Passionsgeschichte könnte geendet haben mit den drei an ihren Kreuzen gehenkten Männern; der eine war ein Krimineller, der seinen Vorteil in der Instabilität unter römischer Besatzung sah, der andere  ein Widerstandskämpfer gegen die Fremdherrschaft, der dritte ein „Unschuldiger“, der das Reich Gottes verkündete. Und Palästina hätte sich wieder  erwiesen als nur das Schlachtfeld, auf dem Imperien ihre Kräfte messen konnten, oder als Friedhof voller Märtyrergräber. Und die Jünger hätten wie so viele andere nachgeben  und  Todeslitaneien singen können, in denen sie die Römer verfluchten, Rache schworen  oder im Stillen versuchten, Sympathien für ihren gerechten Kampf zu finden.  Das wäre das normale Szenario in Palästina gewesen.

Aber das, was am Ostersonntag geschah, hatte mit Normalität nichts zu tun.  Es war etwas ganz besonderes, ein Geschehen, wie es niemand je gehört hatte, ein wirklich revolutionäres Ereignis. Es war nicht die Fortführung der menschlichen Tragödie in Palästina, es war göttliches Einschreiten. Durch dieses Einschreiten  wurde das Land, das man früher nur als Schlachtfeld gekannt hatte, zum Heiligen Land, und wo bisher Friedhöfe waren, verwandelten sich diese in Gärten, in denen Engel erschienen; und die bisher ihren Helden beweint hatten, wurden zu Wirkmächten der Verwandlung.

Die Jünger hätten ihr ganzes Leben damit verbringen können, über den Verlust ihrer Sache zu weinen, ihr getötetes Opfer und ihre zerflatternden Hoffnungen zu betrauern. Stattdessen und aufgrund des göttlichen  Eingreifens fingen sie eine unglaubliche Vision ein, sie entwickelten atemberaubenden Mut  und sie machten sich auf den Weg, den Gekreuzigten als einen Lebenden zu verkünden.  Sie waren nicht mehr einfach Opfer , die um Hilfe riefen, sondern sie wurden verwandelt zu Menschen, die eine Botschaft hatten, auf die die Welt dringend wartete.  Was sie aus erster Hand erfuhren, war die Antwort auf die weltweite Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, das im Kontext mit dem Tod wächst,  die wahre Hoffnung, die durch hilflose Situationen durchscheint, und nach Leben, das auch in windigen Zeiten blüht.  Was Gott an diesem Ostersonntag mit der Auferstehung Christi von den Toten getan hat, ist auch heute noch zu erfühlen. Das ist der Grund, warum wir hier sind, und diese Kraft zur Verwandlung ist der tiefste Grund für unseren Dienst.

Danke, dass ihr  uns mit dem Glauben an die Macht der Auferstehung unterstützt.

Er ist auferstanden! Er ist wirklich auferstanden!

 

Übers.: Gerhilde Merz

Biblische Grundlage zur Predigt: Johannes 20, 1-18; Markus 16, 1-8