Letter of Praeses Kock an das Praesidium des Deutschen Koordinierungsrates PDF Print E-mail

Manfred Kock, Präses i. R.
Merkenicher Str. 281
50735 Köln

 

An das Präsidium des
Deutschen Koordinierungsrates
der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

 

Sehr geehrte Frau Dr. Schulz-Jander, verehrter Herr Rabbiner Dr. Brandt, sehr geehrter Herr Münnich,

Wegen einer Reise habe ich erst spät Ihre Presseerklärung vom 15. 2. 2012 zur Kenntnis nehmen können, mit der Sie von einem Brief berichten, den Sie Herrn Prof. Herzog wegen seiner Laudatio für Mitri Raheb geschickt hätten.

 

 

Seit mehreren Jahrzehnten bin ich Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Köln, seit 1988 gehöre ich dem Vorstand an. Zum ersten Mal bin ich erschüttert über eine Verlautbarung des Koordinierungsrates. Sie nennen die Ziele der Gesellschaften, nämlich  sich "entschieden gegen alle Formen der Judenfeindschaft, religiösen Antijudaismus, rassistischen und politischen Antisemitismus sowie Antizionismus" einzusetzen. Das aber verbinden Sie mit einer Kritik an der Ehrung des lutherischen Pfarrers Raheb. Sie nennen ihn pauschal einen Judenfeind und vergleichen ihn mit denen, die Jesus zur Nazizeit als Arier reklamieren wollten. Sie nennen eine angeblich von Raheb vertretene Theologie antisemitisch und bezeichnen ihn damit als einen Antisemiten.

Ihre Vorwürfe sind unbegründet und verzerrend. Ich verwahre mich gegen diese diffamierenden Ansichten.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie je mit Raheb ernsthaften Kontakt hatten. Raheb hat stets gewaltsame Auseinandersetzungen im Nahostkonflikt abgelehnt. Er hat das Existenzrecht des Staates Israel nicht bestritten. Raheb macht sich freilich im Schatten von Zaun und Mauer Sorgen um seine Mitmenschen. Darum fördert er Projekte der Jugend und der Kultur und bringt Palästinenser und Israelis, Muslime, Juden und Christen an einen Tisch. Er weiß, dass wir der jüdisch-christlichen Überlieferung für das Zusammenleben Entscheidendes zu verdanken haben, nämlich das Wissen der Haltungen und Handlungen, welche uns Menschen fähig machen für jene Verantwortung, die ich und du zu einem wir zusammenschließen. Dieses "wir" muss die Gemeinschaft mit allen Kindern Gottes auf der ganzen Welt einschließen. Raheb schildert in seinen Büchern den Alltag seiner Mitbürger, ohne dabei in Hass zu verfallen. Im Rahmen von DINO, der Deutschen Initiative für den Nahen Osten setzt er sich ein für Frieden ohne Gewalt.

Die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit dürfen nicht den Eindruck erwecken, als folgten sie denen, die jede Kritik an der gegenwärtigen israelischen Regierung als  Antisemitismus bezeichnen.

Sowohl die Bedrohung des Staates Israel durche Terror als auch das Leiden der palästinensischen Bevölkerung haben wir im Blick zu behalten, wenn wir den Grundsätzen der Christlich-Jüdischen Gesellschaften treu bleiben.

Die Impulse der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sind weiterhin wichtig für unsere Evangelische Kirche. Denn offensichtlich ist die Überwindung der antijüdischen Anteile christlicher Theologie in unserem Land noch nicht überall gelungen. Und der hierzulande herrschende braune Terror - und Mitri Raheb hat wahrlich mit ihm nichts zu tun - bedarf unseres Widerstandes ganz besonders.

 

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Kock