Deutsche Medienpreise vergeben PDF Print E-mail

Auszeichnung für Bethlehemer Pfarrer Mitri Raheb

Baden-Baden, Bielefeld (epd). Der Deutsche Medienpreis ist am Freitagabend in Baden-Baden vergeben worden. Laudator Roman Herzog würdigte dabei die Verdienste der Preisträger um die Menschenwürde. "Wir brauchen die Menschen und nicht primär die Organisationen", sagte der Altbundespräsident. Kein Staat könne seine Probleme mehr alleine lösen. Nötig seien viele einzelne Menschen, die die Probleme in Angriff nehmen.

Die undotierte Auszeichnung ging an den evangelisch-lutherischen Pfarrer von Bethlehem, Mitri Raheb, den kongolesischen Arzt Denis Mukwege, die Afghanin Sakena Yacoobi sowie den früheren sowjetischen Oberstleutnant Stanislaw Petrow. Erstmals in diesem Jahr würden drei Hilfsprojekte der Geehrten mit jeweils einem sechsstelligen Betrag unterstützt, sagte der Initiator des Medienpreises, Karlheinz Kögel.

Die Preisträger seien herausragende Symbole der Menschlichkeit und würden für ihr Wirken ohne Schlagzeilen ausgezeichnet, begründete Kögel, Geschäftsführer des preisstiftenden Unternehmens Media Control, die Auszeichnungen. Bislang war der Preis, der seit 1992 verleihen wird, an Prominente aus Politik, Medien und Sport vergeben worden.

Die Ehrung Rahebs, der 2008 auch den Aachener Friedenspreis erhalten hatte, war auf Kritik bei israelnahen und christlich-jüdischen Organisationen gestoßen. Hintergrund ist das von ihm mitverfasste Kairos-Palästina-Dokument. Darin werden unter anderem die Besatzung der palästinensischen Gebiete und die Siedlungspolitik Israels als Sünde vor Gott bezeichnet. "Frieden im Heiligen Land zu schaffen, muss unser aller Auftrag sein", sagte Raheb in Baden-Baden.

Laudator Herzog wollte sich zu der Kritik nicht äußern: "Repräsentanten des Staates beteiligen sich an theologischen Diskussionen prinzipiell nicht." Raheb setze sich nahe der Mauer zwischen Israelis und Palästinensern für die Verständigung von Christen, Muslimen und Juden ein. Er habe eine Infrastruktur von Schulen, Gesundheitszentren und Begegnungsstätten geschaffen, die das alltägliche Leben für die Menschen in Bethlehem leichter machen.

Der westfälische Präses Alfred Buß gratulierte Raheb zu der Auszeichnung. Er habe "den Menschen in Palästina Zukunft und Hoffnung gegeben", schrieb der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen. Auch das Forum Ziviler Friedensdienst würdigte den Preisträger. Die von ihm aufgebauten Einrichtungen wie das internationale Kultur- und Begegnungszentrum im Herzen von Bethlehem und das Dar-al-Kalima College stünden Menschen aller Konfessionen offen, erklärte Geschäftsführer Heinz Wagner in Köln. Sie seien "Leuchttürme einer demokratischen und pluralistischen palästinensischen Gesellschaft".

Unter den bisherigen Preisträgern sind Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, Jassir Arafat, Jitzhak Rabin, Hillary Clinton, Boris Jelzin und Kofi Annan. Geehrt wurden auch Persönlichkeiten mit gesellschaftlichem Engagement wie Königin Silvia von Schweden, König Juan Carlos aus Spanien oder Sportler wie Andre Agassi und Steffi Graf. 2009 erhielt der Dalai Lama die Auszeichnung, die seit 1992 jährlich verleihen wird.