Posaunen vor der Mauer

 

Evangelische Bläser musizierten in Israel und im Westjordanland

Lübbecke/Bethlehem. Der arabische Pfarrer Mitri Raheb hatte eine Idee. Man müsste 1.000 Trompeter und Posaunisten nach Bethlehem bringen, um sie – wie einst vor Jericho – gegen die von den Israelis gebaute Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland blasen zu lassen. 16 Musiker aus Deutschland sind es geworden. Der Lübbecker Pfarrer Eberhard Helling war Mitinitiator, die Professorin für Bläserarbeit der Hochschule für Kirchenmusik Herford, Monika Hofmann leitete das Ensemble.

Mitri Raheb war 2005 anlässlich des Kirchentages in Deutschland. Er saß mit dem Lübbecker Pfarrer Eberhard Helling im Zug, als der palästinesische Pfarrer seine Idee hatte. Helling ließ die Idee nicht los. Er ist selbst Trompeter in einem Posaunenchor. Der Islambeauftragte des Kirchenkreises Lübbecke war oft in Israel und im Westjordanland unterwegs. Er schrieb Posaunenchöre in ganz Deutschland an und rief zu einer ersten „Brass-for-peace” (Bläser für den Frieden)-Tour auf. 16 Bläser aus Baden, Bayern, dem Rheinland und Westfalen im Alter zwischen 15 und 71 Jahren meldeten sich. „Die erste gemeinsame Probe hatten wir in Bethlehem”, berichtet Monika Hofmann. Trotz der langen Anreise und des wenigen Schlafes sei das Ergebnis gut gewesen. Am nächsten Morgen folgte die zweite Probe: „Die war nochmals um Klassen besser”, sagt Hofmann. Dann gleich der erste Auftritt bei der Grundsteinlegung für das Dar-Al-Kalima-College in Bethlehem, in dem Menschen für und in Verwaltungs- und Medienberufen aus- und fortgebildet werden.

Evangelische Christen: Minderheit unter Minderheiten

„Die Christen werden immer weniger und zu einer Minderheit unter den Minderheiten”, sagte Pfarrer Helling. 2.000 evangelische Christen gebe es auf der Westbank, wie das Westjordanland auf Englisch heißt. Pastor Raheb ist ihr Pfarrer. Trotz ihrer geringen Zahl seien die Christen nicht marginal. Sie seien gut ausgebildet und hätten ein „ungeheures Hoffnungspotential”. Am Tag nach der Grundsteinlegung für das College fuhren die Bläser zu der Anlage, die die Israelis Sicherheitszaun nennen, und die in Bethlehem eine Betonmauer ist. Einige Taxifahrer haben dem Auftritt zugehört.

Die Reise der Bläser fand zu derselben Zeit wie die Reise des Rates der evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) durch Israel und das Westjordanland statt. „Das war nicht geplant und hat sich so ergeben”, sagt Helling. Flexibel wie Posaunenbläser bisweilen sind, spielten sie beim Gottesdienst in der Himmelfahrtskirche in Jerusalem. Anlass war die Unterzeichnung eines Vertrages zwischen der EKD und der „Evangelisch-Lutherischen Kirche für Jordanien und dem Heiligen Land”. Tags drauf besuchte die Bläsergruppe die christliche Schule Talitha Kumi, in der moslemische und Christliche Kinder gemeinsam unterrichtet werden.

Monika Hofmann, die zum ersten Mal in Israel und Palästina war, schwirren die Bilder noch im Kopf herum: „Wenn man am See Genezareth das Abendmahl feiert, dort, wo Jesus vor 2.000 Jahren unterwegs war, dann ist das sehr beeindruckend”.Die Reise, die die Teilnehmer zum großen Teil selbst sowie mit Hilfe der EKD und der Rheinischen und der Westfälischen Kirche finanziert haben, soll nach Möglichkeit wiederholt werden, sagt Helling: „Vielleicht werden es ja irgendwann einmal 1.000 Bläser.”                    Von Thomas Dohna

© 2007 Neue Westfälische