|
|
Bethlehem zur Jahrtausendwende im Mittelpunkt des Interesses Bildband stellt die Vergangenheit und Gegenwart der Geburtsstadt Christi vor
von Mario Schmidt
Die Jahrtausendwende rueckt die palaestinensische Autonomiestadt Bethlehem vor allem in den Mittelpunkt christlichen Interesses, denn dort wurde nach christlicher Ueberlieferung Jesus geboren. Seit Weihnachten 1998 feiert die Stadt 16 Monate lang den Geburtstag des Gottessohnes. Doch Bethlehem steht auch im Zentrum des Nahost- Konflikts, denn in dieser Kleinstadt suedlich von Jerusalem konzentrieren sich viele der israelisch- palaestinensischen Querelen.
Der Bethlehem- Bildband von Mitri Raheb und Fred Strickert, zu dem Garo Nalbandian eindrucksvolle Fotos geschaffen hat, bietet die anschauliche Darstellung beider Problemkreise. Er stellt Vergangenheit und Gegenwart der Stadt vor. Abbildungen aus alten Archiven, Begleittexte, Pilgerberichte und Zeittafeln machen das Buch zu einem hilfreichen und interessanten Nachschlagewerk und Reisebuch fuer alle, die die Stadt besucht haben oder die die Jahrtausendwende vielleicht zum Anlass nehmen wollen, sie sich anzusehen.
Bethlehem ist, wie der Palaestinenser- Praesident Yassir Arafat im Vorwort schreibt, eine der heiligsten Staedten der Welt: Jesus und Koenig David wurden dort geboren, der Prophet Mohammed betete dort auf seiner Reise nach Jerusalem. Waehrend viele Touristen nach dem Besuch der Geburtskirche wieder nach Jerusalem fahren, beginnen die Autoren dort ihre Reise mit dem Leser und zeigen ihm das wirkliche Bethlehem, das dem Besucher viel mehr zu bieten hat als die beliebte Geburtskirche.
Christliche Prozessionen, Dudelsackumzuege, Fotos von betenden Palaestinensern, die Arbeit der Bauern auf den Feldern, die Hirten, die aussehen, als seien sie gerade in der Bibel beschrieben worden: Das Buch faengt das Alltagsleben Bethlehems und seiner Bewohner ein. Dazu gehoeren auch die Kloester.
Dass viele der jaehrlich etwa eine Million Touristen nur fuer eine halbe Stunde in die Geburtskirche nach Bethlehem kommen und dann schnell wieder abreisen, hat mehrere Gruende. Die Stadt selbst sieht fuer viele Besucher oft nicht gerade einladend aus, die Strassen sind schmutzig und holprig, die Gebaeude nicht selten vernachlaessigt.
Mario Schmidt, Deister- und Weserzeitung, „Bethlehem zur Jahrtausendwende im Mittelpunkt des Interesses“, 30.01.1999 |
|