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Hoffnung, aber kein Optimismus
Bethlehem Pfarrer spricht in Markt Schwaben
Markt Schwaben – Nein, ein Agitator ist Mitri Raheb nicht. Kein Mann, der mit der Faust auf den Tisch hauen koennte, um seinen Argumenten Nachdruck zu verleihen. Eher scheint er ein ruhiger Vertreter zu sein. Jemand, der seine kritischen Anmerkungen wohl ueberlegt setzt und nicht die schnelle und einfache Antwort auf schwierige Fragen sucht.
Was war (und ist) nun die Mission des evangelischen Pfarrers der Weihnachtskirche in Bethlehem in diesen Tagen in Deutschland? Sicher ist er da, um sein neues Buch vorzustellen. Geschrieben waehrend einer von Israel verhaengten Ausgangssperre und in den USA bereits 2004 zu einem der 50 besten Buecher des Jahres gekuehrt. Ein Buch, in dem er in 18 kleinen Geschichten berichtet von seinem eigenen Schicksal, aber in erster Linie auch von den kleinen, einfachen Menschen, die von einem Leben in Frieden traeumen. Ein Buch, das geschrieben wurde, um sich selbst Luft zu machen. Und ein Buch, das Raheb als seine Form des gewaltlosen Widerstands gegen die Besetzung seiner Heimat versteht. Sicher ist er auch da, um fuer seine Heimat Palaestina zu werben. Um in Europa mit dem Vorurteil aufzuraeumen, seine Landsleute seien in erster Linie vermummte Selbstmordattentaeter. Sicher ist Raheb auch gekommen, um in Europa potentiellen Touristen die Angst zu nehmen, wieder ins Heilige Land zu kommen. Auch wenn er in seinem Buch "Bethlehem hinter Mauern" von schier unglaublichen Schikanen gegen die palaestinensische Zivilbevoelkerung erzaehlt, ist er sich sicher, dass Touristen genau dies nicht zu befuerchten haben. Und das trotz einer Grenzmauer rund um seine Heimat; die das Berliner Vorbild wie einen kleinen Bruder vorkommen laesst. Raheb macht keinen Hehl daraus, dass der Fremdenverkehr der Wirtschaftszweig ist, bei dem sich seine Landsleute die groessten Hoffnungen machen auf ein wenig mehr Wuerde im Alltag. Auch deshalb trifft Raheb in diesen Tagen nicht nur Kollegen und Journalisten, sondern auch Vetreter von Reiseagenturen. Gut 90 Besucher hatte Raheb in Bad Toelz, seiner ersten Deutschland- Station, und einen Tag darauf in Muenchen. In Markt Schwaben am Mittwoch waren es rund 100, die knapp zwei Stunden gespannt seiner Lesung lauschten und danach viele Fragen an den Geistlichen richteten. Mit Schwabens Pfarrer Karl- Heinz- Fuchs verbindet Raheb eine zwoelfjaehrige Freundschaft. Fuchs hatte vor dem Vortrag in der Philippuskirche auch ein Abendessen mit Buergermeister Bernhard Winter im Brauhaus organisiert. Bei der Gelegenheit durfte sich der Seelsorger aus Bethlehem ins Goldene Buch eintragen. Raheb ist fuer Fuchs so etwas wie ein Vorbild. "In seinem Buch klagt er nicht an, sondern zeigt Wege der Hoffnung auf", so Fuchs. Hoffnung- das ist ein immer wiederkehrender Begriff in Rahebs Auslassungen. Es gebe viele kleine Zeichen der Hoffnung im Konfliktherd Naher Osten, bemerkt er. Auch Fussballspiele wie zuletzt in Barcelona und Muenchen mit israelischen und palaestinensischen Teams seien Symbole der Hoffnung. Aber eben nicht mehr. Raheb hat sich dabei immer noch Humor bewahrt, indem er sich wuenscht, Sharon und Arafat haetten frueher begonnen, miteinander Fussball zu spielen statt Krieg zu fuehren. Von Paulus, Bonhoeffer und Luther spricht Raheb als seine Vorbilder. Von Optimismus spricht Raheb nicht.
Aus: Muenchner Merkur/Ebersberg, "Hoffnung, aber kein Optimismus – Bethlehem- Pfarrer in Markt Schwaben", Muenchen, 2.12.2005
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