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"Wirklich Frieden stiften"
Mitri Raheb mahnt Versoehnung in Palaestina an
Markt Schwaben – Bethlehem gilt als Wiege des Christentums. Vor mehr als 2000 Jahren soll dort in einem Stall Jesus geboren worden sein. In drei Wochen werden sich die Christen wieder an dieses Ereignis erinnern und Heilig Abend feiern. In einem spannenden Vortrag in der voll besetzten Markt Schwabener "Philippuskirche" berichtete am Mittwochabend der evangelisch- lutherische Pfarrer Mitri Raheb von der nicht weit vom Geburtsort entfernten Bethlehemer Weihnachtskirche ueber die derzeit schwierige Lage im "Heiligen Land" und "der Tragoedie im Nahen Osten". "Trotz der vorherrschenden Verzweiflung halten wir an unserer Vision fest, wir hoffen auf Frieden, auch wenn Optimismus derzeit nicht begruendet erscheint", sagte der palaestinensische Geistliche. Raheb erzaehlte von der israelischen Besatzung Palaestinas und einer inzwischen um die Orte gebauten, neun Meter hohen, trennenden Betonmauer, "die schlimmer ist als die Berliner Mauer". In der seit fast 40 Jahren anhaltenden Besatzung – Bethlehem steht seit 1967 unter israelischer Verwaltung – sieht Raheb eine der Ursachen fuer die Spirale der Gewalt in Palaestina. Etwa 25 Prozent der Palaestinenser und 40 Prozent der Israelis unterstuetzen radikale Gruppen und Parteien. Die schweigende Mehrheit auf beiden Seiten wolle aber Frieden und Versoehnung. Dieses Lager muesse sich besser organisieren. Raheb distanzierte sich sowohl von palaestinensischen Selbstmordattentaetern, als auch von den zuweilen in Palaestina angeblich brutal agierenden israelischen Soldaten. Seine Hoffnung ist die "Zwei-Staaten- Loesung" mit einem gleichberechtigten Palaestina. Diese muesse aber bis 2009 realisiert werden, andernfalls werde sich in Palaestina ein "Apartheidsystem" verfestigen. Die Zeit der Friedensplauderei sei vorbei, Friedensstifter muessten endlich das Heft des Handels in die Hand nehmen. "Wir muessen Olivenbaeume pflanzen statt Mauern bauen." Raheb raeumte ein, dass das Zusammenleben von Christen, Moslems und Juden in Palaestina derzeit nicht immer einfach sei. Die Christen sind in Palaestina inzwischen eine Minderheit. Die meisten der fast 2000 Lutheraner wohnen in und um Bethlehem und leben hauptsaechlich vom Tourismus. "Die Hotels sind ausgebucht, Maria und Joseph wuerden vieleicht auch heutzutage keine Herberge in Bethlehem finden", sagte Mitri Raheb.
Aus: Ebersberger Sueddeutsche Zeitung, "Wirklich Frieden stiften – Mitri Raheb mahnt Versoehnung in Palaestina an", Ebersberg, 2.12.05, S.5
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