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Zorn und Hoffnung – Ein palaestinensischer Pastor blickt auf Bethlehem
Auf dem Herd kocht der Fruehstueckskaffee als die israelischen Granaten einschlagen. Die Soldaten haben die Weihnachtskirche umstellt. Und Mitri Raheb weint vor Angst. Es ist der 2. April 2002, der Tag der israelischen Besatzung Bethlehems. Wer die ersten Seiten dieses Buches liest, der will nicht so recht daran glauben, dass aus dieser Angst, dieser Ohnmacht, ja auch dieser Wut gegen die israelischen Soldaten ein Ausrufezeichen der Hoffnung wird. Parteiisch ist das Buch. Eine ausgewogene Darstellung des israelisch- palaestinensischen Konflikts darf der Leser nicht erwarten. Aber neue Graeben ziehen zwischen Palaestinensern und Juden, das will Raheb offensichtlich nicht. So heisst es auf der letzten Bucheite...
"Vielmehr ist es unsere einzige hoffnungsvolle Vision, heute raus in unseren Garten zu gehen, in unsere Gesellschaft, und einen Olivenbaum zu pflanzen. Denn wenn wir heute nichts pflanzen, waechst morgen nichts. Aber wenn wir heute einen Olivenbaum pflanzen, wird es morgen Schatten geben, unter dem die Kinder spielen koennen, dann wird es Oel geben, das unsere Wunden heilt- und es wird Olivenzweige geben, mit denen wir winken werden, wenn der Friede kommt."
Diese Zeilen taeuschen jedoch nicht darueber hinweg, dass Rahebs Zorn auf Israel gross ist. Er klagt die Gleichgueltigkeit, die Willkuer und die Brutalitaet an. So schildert er zum Beispiel den Todeskampf seines Schwiegervaters- der auch deshalb an einem Herzinfarkt stirbt- wie Mitri schreibt- weil die israelischen Soldaten dem Krankenwagen lange Zeit die Zufahrt zu einem Krankenhaus verweigerten. Raheb steht auf der Seite der Palaestinenser. Ihrem Schicksal will er eine Stimme geben. Darueber hinaus moechte er auch zeigen, was aus Menschen werden kann, wenn ihnen Hoffnung und Glaube abhanden kommen. Dabei ist er selbstkritisch genug, die Palaestinenser nicht nur in einer Opferrolle zu sehen...
"Die Vison der Palaestinensischen Befreiungsorganisation PLO ist allein die, Palaestina zu befreien, anstelle es Stein fuer Stein aufzubauen. Deshalb konnte sich die PLO nicht aus einer Befreiungsorganisation in ein Organ eines demokratischen, innovativen und kreativen Staates verwandeln. Es muss sowohl Palaestinensern als auch Israelis einleuchten, dass es einem Land nichts nuetzt, wenn es die Unterstuetzung der ganzen Welt gewinnt, aber den eigenen Nachbarn verliert."
Raheb beschreibt ein anderes Bethlehem, als es zuweilen in den westlichen Medien vorkommt. Fuer ihn versperrt auch eine Mauer der oeffentlichen Wahrnehmung den Blick auf Bethlehem. Gewissermassen Stein fuer Stein aus dieser Mauer moechte Pfarrer Raheb abtragen. Dadurch soll ein neuer Blick auf die Geburtstadt Jesu frei werden. Auf junge Familien, die an eine Zukunft glauben, auf Maenner und Frauen, die sich trotz aller Schwierigkeiten dafuer einsetzen, dass zum Beispiel die kaputte Orgel der Weihnachtskirche am 24. Dezember spielt und Kinder, deren Lachen lauter ist als jede Bombe. Das ist die Hoffnung, die Raheb mit seinem Buch zeigen moechte.
Text: Florian Breitmeier
From: NDRInfo, Blickpunkt: Diesseits- Das Magazin aus Religion und Gesellschaft, "Zorn und Hoffnung – Ein palaestinensischer Pastor blickt auf Bethlehem", Hannover, 18. September 2005 K.G. Marhoffer, Esch/Alzette
Aus: Evangelische Kirchenbote von Luxembourg, Rezension zu Mitri Raheb: "Bethlehem hinter Mauern – Geschichten der Hoffnung aus einer belagerten Stadt", Esch/Alzette, September 2005
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